Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter.
„Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“ fragt der eine Zwilling.
„Ja, auf jeden Fall! Es muss etwas geben. Vielleicht bereiten wir uns hier nur vor, auf das was kommt. Hier drinnen wachsen wir und werden groß und stark für das was draußen an der frischen Luft kommen wird.“ antwortet der andere Zwilling.
„Ich glaube, das hast du eben erfunden!“ lacht das erste Baby. „Ein Leben nach der Geburt? Was für ein Leben soll das sein? Ich sehe niemanden von dort zurückkommen. Das ist doch unlogisch. Es kann kein Leben nach der Geburt geben – und wie soll denn ‚frische Luft‘ bitte schön aussehen?“
„So ganz genau weiß ich das auch nicht. Vielleicht ist es einfach anders, als wir es hier kennen. Vielleicht brauchen wir diese Nabelschnur nicht mehr. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir mit den Beinen herumlaufen können und mit dem Mund tolle Sachen essen?“
Das erste Baby schüttelt den Kopf. „Das ist lächerlich. So einen Schwachsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns nährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist doch die Nabelschnur viel zu kurz. Ein Leben nach der Geburt ist einfach ausgeschlossen.“
Das zweite Baby voller Hoffnung: „Doch, das geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders sein.“
Daraufhin erwidert der erste Zwilling: „Du träumst wohl! Es ist doch noch nie einer zurückgekommen von ’nach der Geburt‘. Mit der Geburt ist das Leben einfach zu Ende!“
„Ich gebe ja zu, dass keiner genau weiß, wie das Leben ’nach der Geburt‘ aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mama sehen werden und sie wird sich um uns kümmern.“
„Mama??? Du glaubst an eine Mama? Wenn sie existiert, wo ist sie dann jetzt?“
Das zweite Baby lächelt. „Na hier – überall um uns herum. Wir sind ein Teil von ihr. Wir sind in ihr und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht existieren.“
„So ein Blödsinn! Von einer Mama habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht!“
„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind und wirklich zuhören, kannst du ihre liebende Stimme hören die von oben ruft. Oder spüren, wenn sie unsere Welt ganz sanft und liebevoll streichelt.…“
Im Original von Henry Nouwen
Du kannst Gott überall hören und sehen. wenn du bereit bist, dich für das Unsichtbare zu öffnen






